Nach dem 2015 nahezu vollkommen übersehenen „The Man from U.N.C.L.E“, kehrt Guy Ritchie nun also erneut auf die Leinwand zurück. Mit Charlie Hunnam („Sons of Anarchy“) im Gepäck, wagt er sich nun auch in ein ganz anderes Genre.

Nach der finsteren Machtübernahme Vortigerns (Jude Law) und dem Tod seines Vaters Uther (Eric Bana), treibt der kleine Arthur (Charlie Hunnam) orientierungslos durch England, bis er schließlich in Londinium landet. Aufgezogen in einem Bordell wird er zur Kampfmaschine mit Robin Hood-Attitüde, bis er eines Tages Excalibur aus einem Stein zieht.

Ja, die Sage um Arthus und Excalibur wurde jetzt schon 17.000 Mal erzählt. Auf eine Umsetzung durch Mr. Ritchie war ich trotzdem gespannt. Sein atemloser Erzählstil und seine schnoddrigen Dialoge sind ziemlich neu für das Fantasy-Genre und könnten hier echt frischen Wind bringen. Und ja, verdammt, das klappt auch immer wieder recht gut. Unter Daniel Pembertons treibendem Soundtrack und verworrenen Schnittmontagen, wird „King Arthur“ zu einem echten Energiebündel.

King arthur legend of the sword behind the scenes
Behind the Scenes Bild aus King Arthur: Legend of the Sword Guy Ritchie (links) und Charlie Hunnam (rechts)

Wenn man schon Ritchies „Sherlock Holmes“-Filme für tempotechnische Eskalation hielt, dann kann man sich bei seinem neuen Werk warm anziehen. Hier wird man über die knapp 2 Stunden durch die Szenerie gepeitscht, dass es kein Halten gibt. Zum Einen lässt das die Action unglaublich dynamisch erscheinen und packt in den richtigen Szenen emotional auch ordentlich zu. Lässt aber auch viel fallen. Man kann eben nicht durchgängig in Hochgeschwindigkeit fahren und trotzdem perfekt jede Kurve nehmen. Es sei denn man ist George Miller.

Wie dynamisch Ritchies Schnittechnik auch sein mag, sie lässt nur Raum für grobe Abläufe und gönnt sich nur in den seltensten Fällen Ruhe.
Charlie Hunnam stellt hier schon das Erste Problem dar. Durch Ritchies blitzschnelle Erzählweise, bleibt kaum Zeit seinem Arthur einen echten Charakter zu heben. Dieser Arthur ist frech, gerecht, schlau, durchtrainiert und kampferprobt. Er hat keinerlei Schwächen und wird damit auch nie menschlich. So treibt sein Charakter mitsamt vielen Anderen meist an der Oberfläche und kann lediglich durch Coolness glänzen. Das funktioniert zwar über weite Strecken, lässt aber viel Potential liegen. Man denke da an „Snatch“, der durchaus auch in der Lage war seine Protagonisten als Menschen zu zeichnen. Einzige Ausnahme bildet in „King Arthur“ Jude Law, der sich als eine Art Macbeth ganz hervorragend macht und nahezu jede größere Szene für sich vereinnahmt.

Dann wäre da noch das CGI. In dieser Dynamik und Wucht wäre Ritchies Film wohl ohne den übermäßigen Einsatz von CGI nicht möglich gewesen, das bringt aber auch viele Einbußen mit sich. Immer wieder ist Arthur ein sichtbar animierter Charakter, was die Immersion ordentlich stören kann und durch regelmäßige Bildfilter-Eskalation wird das Bild gelegentlich in eine derart synthetische Ästhetik gedrückt, dass man schreien könnte. „King Arthur“ wirkt damit über viele Szenen wie ein Videospiel, im positiven wie auch negativem Sinne.

„King Arthur: Legend of the Sword“ dürfte am Ende viele Gemüter spalten. Manche werden von der totalen Reizüberflutung und dem mäßig überdachten Plot abgeschreckt sein, andere werden in genau dieser Dynamik voll aufgehen. „King Arthur“ ist ein schwer unterhaltsamer Film, der keine Sekunde langweilt aber auch sehr grob bleibt. Nicht ganz mein Geschmack aber gerade Hardcore-Fans von Ritchie oder auch Videospiel-Kenner könnten hier definitiv ihre helle Freude haben.

„I’m not getting drawn into this mess! There’s an army of you, there’s only one of me! I’ll talk, I’m happy to talk. But there is NO WAY that I am fighting.“

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