Fast 3 Jahre ist es her, dass Marvel das bis dato größte Risiko wagte und eine Reihe an eher unbekannten Superhelden ins Kino brachte. Als großer Fan von James Gunn („Super“, „Slither“), war ich wirklich gespannt. Der ehemalige Troma-Schützling lenkte gekonnt an typischen Fehlern vorbei und schuf den bis dato besten Film des Marvel-Cinematic-Universe. Das soll „Vol.2“ jetzt toppen?

Guardians of the Galaxy Vol. 2Peter Quill (Chris Pratt), Gamora (Zoe Saldana), Rocket Racoon (Bradley Cooper) und Baby Groot (Vin Diesel) sind zurück! Während die Bande sich zunächst noch mit übergroßen Weltraum-Tentakelmonstern anlegt, nur um dann in einen Zwist mit seltsamen Goldmenschen zu geraten, darf er zu allem Überfluss auch noch seinen Vater kennenlernen. Wohin die Handlung dann geht, das möchte ich lieber im Dunkeln lassen.

Guardians of the Galaxy Vol. 2 ist einer dieser Filme, bei denen sich die Geister stark scheiden. Ich war ernsthaft überrascht von den überaus gemischten Stimmen zu Gunns Sequel und kann den Großteil der Kritikpunkte nicht unterstützen, sehe sie teils nicht einmal.
Gunn hat erneut einen Film mit Herz geschaffen. Statt diesmal wieder einen McGuffin zu liefern, spinnt er seine Handlung vielmehr um die Eigenheiten seiner Charaktere und bleibt über weite Strecken des Films angenehm Abwechslungsreich und unvorhersehbar. Auch wenn nicht jeder Gag sitzt, haut die emotionale Note locker wieder alles raus. Gunns Film hat Mut zum Schmalz. Er ist bunt wie „Flash Gordon“ und wagt sich jetzt auch an das ganz große Drama. Mutig wird von Charakteren Abschied genommen und kindlich der Kitsch gefeiert. Man merkt noch immer, dass der Regisseur aus der Trash-Ecke kommt. In keinem Marvel-Film außer den Guardians, kommen die Zoten derart natürlich rüber.

Statt abgestandenem Blockbuster-Brei sah ich viele frische Ideen, überraschend wenig Anbiederung an das Publikum und sogar überaus interessante Neuzugänge und Erweiterungen. Kurt Russell fügt sich perfekt in den Cast ein, auch wenn seine verjüngte Version einfach gruselig aussieht. Auch Michael Rooker darf als Yondu ganz groß aufspielen und dürfte sogar fast das Higlight des Films sein. Der Cast ist gut aufgelegt und trägt weiterhin zur ungezwungenen, sympathisch-campigen Stimmung des Films bei. Man darf sich sogar über den ein- oder anderen wirklich gelungenen Cameo-Auftritt freuen.
Natürlich ist „Guardians of the Galaxy 2″ wieder ein großes CGI-Spektakel und natürlich wird Baby Groot auch viel aus Marketingtechnischen Gründen in den Vordergrund gerückt aber verdammt, für mich hat es tadellos funktioniert. Über fast 140 Minuten war ich erneut unterwegs mit den vielleicht interessantesten Gestalten des Marvel-Universums, habe mit ihnen gelitten, gelacht und vielleicht sogar die ein- oder andere Mücke ins Auge bekommen.

Guardians of the Galaxy Vol. 2 ist der erneute Beweis dafür, dass man Gunn nicht kleinkriegen kann. Er liefert viel altbewährtes, traut seinen Charakteren jedoch auch Entwicklungen zu, er nimmt sich nie zu ernst ohne dabei in das typische Marvel-Gewitzel abzudriften. Der Film baut erfolgreich auf dem Erstling auf, bietet eine ungewöhnliche Dramaturgie, tolle Dialoge und geniale Raumschiff-/Planeten-/Setdesigns. Ein kreatives Potpourri aus den Stärken des Erstlings und sinnvollen Ergänzungen. Ich scheine wohl eine anderen Film gesehen zu haben wie viele andere hier, vielleicht sollte ich zukünftig die Inhaltsstoffe meiner Cola checken lassen.

„There are two types of beings in the universe: those who dance, and those who do not.“

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8.5
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Felix schreibt so gut wie wöchentlich eine Filmkritik und stellt sie für Enterverse zur Verfügung. Wenn ihr Vorschläge habt, welche Filme er noch kritisieren soll, schreibt in die Kommentare oder in seine Facebook Gruppe ;)

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