Die Presse überschlägt sich, die Fangemeinde ist kaum zu halten. Es scheint, als wäre „Wonder Woman“ der Phoenix, der aus der Asche des weitgehend gescheiterten DC-Universe entsteigt. Aber ist Patty Jenkins („Monster“) Film wirklich der Heilsbringer, der mir hier prophezeit wurde?

Diana (Gal Gadot) ist eine Amazone. Zusammen mit ihrer Mutter und einer ganzen Reihe an anderen, kampferprobten Frauen, lebt sie auf Themyscira. Als letzte Bastion gegen Kriegsgott Ares, schuf Zeus einst diese Insel, um dort ein unbezwingbares Volk von Kriegerinnen zu beherbergen. Mit Steve Trevor (Chris Pine) landet dann der Krieg quasi direkt vor der Tür. Naiv und von Heldenmut durchdrungen, fliegt Diana mit Steve direkt an die Front. Zumindest ist das der Plan.

Was sollte man nun erwarten nach Patty Jenkins finsterem Erstlingswerk „Monster“ und kurzen Serienausflügen wie „The Killing“? Die Trailer sahen alle nach einer sklavischen Orientierung an dem von Zack Snyder geschaffenen DC-Style aus. Aber weit gefehlt. In „Wonder Woman“ schlägt ein eigenes Herz, das nur seine Bestimmung noch nicht ganz kennt.
Weg von kalkuliertem Humor aus der Marvel-Retorte, hin zu ehrlichem Kitsch des 20sten Jahrhunderts. „Wonder Woman“ ist näher an einem „Superman“-Film mit Christopher Reeve, als an dem gängigen Marvel oder DC-Konzept. Das macht den Film zwar eine gehörige Portion kitschiger als seine Artverwandten, lässt ihn aber deutlich weniger kalkuliert erscheinen.

Wonder woman gal gadot
Gal Gadot als Wonder Woman

Jenkins nutzt die Schauspielerischen Limitierungen von Gal Gadot geschickt aus, um aus einer naiven Kampfamazone, nunja, eine etwas weniger naive Kampfamazone zu machen. Sprich, „Wonder Woman“ ist angenehm doof und verbringt angenehm wenig Zeit mit dem Setup von anderen DC-Filmen.
Etwas getrübt wird das leichtherzige Bild jedoch von den gelegentlich, sehr mäßigen, Versuchen die Gräuel des ersten Weltkriegs zu zeigen. Die sind zwar lieb gemeint, funktionieren aber nur leidlich. Hinzu kommt eine grandiose Fehlbesetzung des Ares, die ich aus Spoiler-Gründen hier aber nicht verraten kann. Diese Fehlbesetzung kulminiert in einem hochnotpeinlichen Finale, das den eigentlich gelungenen Eindruck des Films stark schmälert. Am Ende musste dann doch wieder übertrieben werden, auch wenn das zumindest im trashig-überkandidelten Ramen des Films bleibt.

„Wonder Woman“ ist gut gemeinter, ziemlich blödsinniger Mist. Aber eben der Mist, der viel Spaß macht. Die Effekte sind nicht immer gelungen, Gadots Performance ist teils zum Fremdschämen aber irgendwie stimmt auch viel. Die Chemie zwischen Pine und Gadot stimmt, Teile der Bösewichte rocken und der Soundtrack ist sehr gelungen. Allgemein kann ich den Hype zwar nicht ganz verstehen, finde aber dass „Wonder Woman“ definitiv sein Herz am rechten Fleck hat.

„It’s about what you believe. And I believe in love. Only love will truly save the world.“

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