Alle Jahre wieder kommt eine Neuverfilmung der „Battle Royale“-Idee. Nach der Weichspüler-Version namens „Tribute von Panem“, dachten sich Greg McLean („Wolf Creek“) und James Gunn („Guardians of the Galaxy“) wohl, dass endlich wieder Knochensplitter fliegen sollten.

Irgendwo in Kolumbien steht ein Hochhaus. Darin arbeiten 80 Leute. Was diese Leute genau arbeiten? Wissen wir nicht. Sie wissen das wohl auch nicht so genau. Was wir wissen? Es kann nur einer überleben. Als die letzte eiserne Tür zufällt, heißt es: Fressen oder gefressen werden.

Ich hatte richtig Lust auf „Das Belko Experiment“. „Battle Royale“ im Stromberg-Setting? Gerne doch! Schade nur, dass so vieles an diesem Film einfach nicht funktionieren will. Ein trauriger Beweis dafür, dass Blut und Gekröse nicht immer unterhaltsam sein müssen.
Das größte Problem dürfte wohl Gunns eher mäßiges Drehbuch sein. Hier und da tritt sein lakonischer Witz zwar zum Vorschein, der Großteil der Charaktere bleibt aber überraschend flach. Einzig Gunns Bruder Sean Gunn, bekommt als Marty einen halbwegs interessanten Charakter verpasst. Tony Glodwyn ist auch ganz gut, wenn auch sträflich eindimensional geschrieben. An den Darstellern liegt das nicht, denn die geben sich alle Mühe, um sich aus dem langweiligen Geschreibsel herauszumanövrieren.

Während zu Anfang noch eine gewisse Dynamik herrscht, wird „Das Belko Experiment“ mit fortschreitender Laufzeit zu einer recht uninspirierten Schlachtplatte, die lediglich durch blutige Schauwerte bei der Stange halten kann. Aber wieso sollte mich ein gespaltener Kopf schockieren, wenn mir der getötete Charakter vollkommen egal ist? Der Film nimmt sich über weite Strecken auch viel zu ernst, um zumindest einen trashigen Charme zu versprühen.
Das Bürogebäude als Setting stellt sich auch schnell als überraschungsarm und öde heraus. Wenn man die immergleichen Zimmer das zehnte mal mit Blut beschmiert sieht, hat man auch die Schnauze voll. Und auch da kommen wir wieder auf das Drehbuch zurück. „Das Belko Experiment“ hat keine wirkliche Charakterentwicklung. Im Gegensatz zu „Battle Royale“ und von mir aus auch „Hunger Games“, sind manche Charaktere plötzlich verrückt und laufen mordend durch die Flure. Protagonist Mike Milch (John Gallagher Jr.) bekommt über die gesamte Laufzeit auch kaum einen interessanten Charakterzug.

„Das Belko Experiment“ ist leider ein sehr mäßiger Eintrag im Bereich der „Battle Royale“-RipOffs geworden. Wenn 80 Anzugträger wie Hühner herumlaufen und sich gegenseitig die Köpfe einschlagen, dann schläft irgendwann selbst der größte Gore-Fan ein.

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Felix schreibt so gut wie wöchentlich eine Filmkritik und stellt sie für Enterverse zur Verfügung. Wenn ihr Vorschläge habt, welche Filme er noch kritisieren soll, schreibt in die Kommentare oder in seine Facebook Gruppe ;)

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